Sanierung der Altwasser

Seit November 2010 ist man dabei, die verlandeten Altwasser in der Attler- und Freihamer Au wieder zu reaktivieren.
Die noch vorhandenen Restwasserflächen in den Auen haben ihre Funktion als Laichgewässer und Rückzugsgebiete
unserer Innfische längst verloren. Sie sind sogar zu tödlichen Fallen geworden, da bei höherem Wasserstand
eingewanderte Fische gefangen sind. Die seichten Lacken frieren anschließend den folgenden Winter bis zum Grund durch...

Ich brauche eigentlich nicht extra darauf hinzuweisen, dass es ohne Nachwuchs an Fischbrut irgendwann auch keine
fangbaren Altfische mehr geben wird. Auch keine Raubfische mehr, denn was sollen Hecht, Zander und Huchen fressen?
Ich glaube auch nicht, dass man dieses Defizit durch massenhaftes Einbringen von fangfähigen Satzforellen ausgleichen kann.
Weder aus ökologischer Sicht, noch aus fischereiwirtschaftlichem Interesse.
Durch die Renaturierung seiner Altwasser wird dem Inn um ein Vielfaches mehr Fisch-Biomasse
zurückgegeben, als wir es einsetzen zu vermögen!

Sicherlich werden von den Maßnahmen auch diverse einheimische fischfressende Vögel profitieren. Sollen sie auch, denn gerade
die Wechselbeziehungen von Räuber und Beute sorgen in einem funktionierenden Ökosystem für Stabilität.
Man muss die Natur als Gesamtheit sehen, nämlich dass die Vorgänge, die sich unter der Wasseroberfläche abspielen und die
darüber zusammengehören. Deshalb ist es wichtig, alle Faktoren, die in den Innauen eine Rolle spielen, zu berücksichtigen und zu fördern.

Der Fischbestand im Inn wird von den Sanierungsmaßnahmen zweifellos profitieren.
Wir müssen uns aber auch im Klaren darüber sein, dass wir an die „alten Zeiten“, als es im Inn Fische in allen Größen und Arten
im Überfluss gab, nicht mehr anknüpfen können. Dafür sind die Auswirkungen der Flussverbauung zu groß.
Ebenso bleiben uns die Kraftwerke sicherlich auch in Zukunft erhalten. Energiegewinnung und Hochwasserschutz haben nun einmal Vorrang.
Man kann aber die noch vorhandenen ökologisch wertvollen Restflächen vor dem völligen Verschwinden bewahren und weiter verbessern.
Da hat es nun einen Durchbruch gegeben.

Dem vorausgegangen sind jahrelange Bemühungen unseres nördlichen Nachbarn und Mitpächter, dem Kreisfischereiverein
Wasserburg, die Attler Au zu sanieren. Dabei ist die Idee nicht neu. Unmittelbar nach dem verheerenden Hochwasser von 1985
gab es schon von unserem Verein Pläne, die versandeten Altarme wieder zu öffnen. Die Bemühungen scheiterten aber an den
naturschutzrechtlichen Vorschriften, an der Verständigung mit dem Vogelschutz, und an der Finanzierung. Vielleicht war auch
die Zeit dafür noch nicht reif.

Unter der Federführung des Kreisfischereiverein Wasserburg hat sich nun eine Allianz aus Naturschutz, der Fischerei,
dem Kraftwerksbetreiber, und interessierten Privatpersonen gebildet. Ziel ist es, die Innauen bei Attel und Freiham wieder so
weit ökologisch zu reaktivieren, wie dies nur möglich ist.

Die Bauarbeiten führt eine Firma aus Niederbayern durch, die sich auf Saugbaggerung spezialisiert hat.
In der ersten Phase wurden die ehemaligen Altwasseranbindungen mit einem schwimmenden Greifbagger geöffnet.
http://picasaweb.google.com/helmuth.meixner/SanierungFreihamerLackenEntwicklung#

Den so gezogenen Gräben folgt zur Zeit ein Saugbagger, um die Wasserflächen zu vertiefen.
http://picasaweb.google.com/helmuth.meixner/AltwassersanierungAmInn2PhaseSAUGBAGGERUNG#

Finanziert wurde das Projekt aus Eigenleistungen, Zuschüssen und Spendengeldern. Insgesamt ist so ein Betrag von etwa
80.000 Euro zusammengekommen. Auch der Verbund, als Betreiber der Kraftwerke hat sich kräftig beteiligt, und tut es weiterhin.
So wurde uns kostenlos eine größere Menge Granitblöcke überlassen. Damit sollen im Fluss vor den neuen
Altwasseranbindungen Buhnen als Abweiser errichtet werden.

Für diese großzügige Geste möchten sich die Kreisfischereivereine Rosenheim und Wasserburg beim Verbund herzlichst bedanken!

Des weiteren wird an einem Verfahren gearbeitet, die enormen Sandablagerungen oberhalb der Staustufen abzubauen und auch in
Zukunft auf geringerem Niveau zu halten. Zusätzlich sind weitere sanierungsbedürftige Altwasser im Gespräch. So wird bereits an
den Genehmigungen zur Entlandung von Katzbach und den Sendlinger Altwassern gearbeitet.
Es tut sich was!

Weitere Bilder und Informationen zum Thema findet man hier Fotos von Fängen... und hier Fotos von Fängen...

R. Schäfer

 
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